ein Projekt der
Stadt Bielefeld

Projekt altstadt.raum vor europaweiter Ausschreibung


Kernteam empfiehlt Verkehrsführung und neue Maßnahmen-Priorisierung für die schrittweise Umsetzung.
20.11.2024 | Bielefeld (bi)

Das 50-köpfige Kernteam für das Projekt altstadt.raum kam jetzt erneut in der „Hechelei“ zusammen, um die im Sommer beschlossene Priorisierung der umzusetzenden Maßnahmen neu zu diskutieren. Zwei Aspekte mussten am 13. November aufgrund veränderter Rahmenbedingen (Verkehrsführung, Neubau Medienhaus) neu miteinander abgestimmt werden.

Die Bezirksvertretung Mitte und der Stadtentwicklungsausschuss (StEA1< ) hatten die ursprüngliche Kernteam-Priorisierung für die Umsetzung grundsätzlich angenommen und beschlossen. Das Amt für Verkehr erhielt jedoch den Auftrag, die geplante Verkehrsführung an der Notpforten-straße/Mauerstraße/Ritterstraße nochmals zu prüfen. Des Weiteren hatten sich kurz nach der Entscheidung des Kernteams Änderungen für das Vorgehen im Bereich Süsterplatz/Ritterstraße herausgestellt. Rund um den Süsterplatz wird ab 2027 das Gebäude der Neuen Westfälischen und Radio Bielefeld rück- und neugebaut. Dies steht dem im vorgesehenen Zeitraum angedachten Umbau des Bereiches entgegen. Eine neue Priorisierung der Projektbereiche wurde erforderlich.

Verkehrsführung
Bezüglich der „Verkehrsführung Notpfortenstraße“ hat das Amt für Verkehr zwei Varianten erarbeitet, die aus verkehrlicher Sicht zur Umsetzung geeignet sind. Ein Runder Tisch im September, einberufen und moderiert von Bezirksbürgermeister Frederik Suchla, votierte für Variante 1a. Diese fand auch die Zustimmung des Kernteams und wird als Empfehlung an die Politik gegeben.

„Ich freue mich, dass die Ideen des Runden Tisches und die dort von den Anwohnern und Anliegern favorisierte Variante der Verkehrsführung vom Kernteam bestätigt wurde“, so Bezirksbürgermeister Frederik Suchla. „Es hat sich gelohnt, dieses Thema abschließend nochmal intensiv zu diskutieren, um eine für alle gute Lösung zu finden.“ Olaf Lewald, Amtsleiter im Amt für Verkehr, ergänzt: „Das Ziel des Verkehrskonzepts ist es, den Durchgangsverkehr zu minimieren und den Kfz-Verkehr im Wesentlichen auf Anwohnende, Lieferanten und Kunden zu beschränken. Die vorhandenen Parkhäuser müssen gut erreichbar bleiben. Die generelle Festsetzung von Tempo 20 für das Altstadt-Hufeisen soll mehr Sicherheit schaffen.“

Frank Strothmann, Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses ist überzeugt „Durch die Einbahnstraßenführung gewinnen wir Raum für alle. Ich freue mich über die konkreten Ideen, mit denen wir die Bielefelder Altstadt als unser aller Wohnzimmer aufwerten.“

Neue Maßnahmen-Priorisierung für die schrittweise Umsetzung
Das Kernteam hat einstimmig beschlossen, im ersten Schritt der Politik die Umgestaltung der Nord-Süd-Achse (von der Notpfortenstraße bis zur Welle) vorzuschlagen. Außerdem soll der Bereich Welle/ Steinstraße/Gehrenberg neugestaltet werden.

„Unsere Pläne sind ehrgeizig, denn die Zeit für die Umsetzung ist knapp. Bis Ende 2027 müssen wir die geförderten Maßnahmen fertiggestellt haben. Neben einer einheitlichen Anmutung des Straßenraums, neuer Straßenbeläge und viel „Grün“ geht es auch um mehr „Blau“. Wir wollen mehr Wasser zur Kühlung im öffentlichen Raum nutzen. Zum Beispiel können wir das Oberflächenwasser sammeln. Es kann damit unterirdisch in sogenannten Rigolen für Trockenzeiten gespeichert werden“, so Martin Adamski, Dezernent für Umwelt, Mobilität, Klimaschutz und Gesundheit. „Gerne möchten wir der Politik empfehlen, begleitend auch den Klosterplatz weiter zu entwickeln und im besten Fall im Anschluss an die jetzt anstehenden Maßnahmen anzugehen beziehungsweise eine Diskussion zur Neugestaltung dieses schönen Platzes anzustoßen. Nach unseren positiven Erfahrungen mit der konstruktiven Zusammenarbeit im Kernteam wäre hierfür ein ähnlicher Beteiligungsprozess wünschenswert.“

Henner Zimmat, 1. Vorsitzender vom Team Altstadt freut, dass es gelungen ist, den Vorschlag, die südliche Altstadt zu priorisieren: „Damit können wir uns einem Bereich widmen, der besonders aus Sicht des Handels große Chancen bietet. Eine einheitliche und moderne Gestaltung wird den Geschäften und ihren Kunden sehr gut tun.“ Dr. Bernd-Christian Balz von Pro Bielefeld betont auch das erneut konstruktive Miteinander beim sechsten Treffen. „Wir haben im Kernteam die Prioritätenliste ausführlich neu diskutiert. Die Entscheidung, die Nord-Süd-Achse zu stärken und uns auf den Bereich Gehrenberg/Steinstraße zu konzentrieren, ist für uns ein wichtiger erster Schritt in Richtung einer Verschönerung unserer Altstadt.“

Die nächsten Schritte
„Wir werden die Empfehlungen dieses Kernteamtreffens am 28. November in der Bezirksvertretung Mitte und am 10. Dezember im Stadtentwicklungsausschuss zur Beschlussfassung vorlegen“, erklärt Projektleiter Dominik Brand aus dem Amt für Verkehr. Nach der politischen Beschlussfassung soll möglichst noch in diesem Jahr die Ausführungsplanung europaweit ausgeschrieben werden.

Es werden fortlaufend Gespräche mit dem Fördergeldgeber geführt. Vorgespräche mit dem Umweltbetrieb, den Stadtwerken und Telekommunikationsanbietern haben stattgefunden und werden nun in regelmäßigen Jour fixe-Terminen fortgesetzt. Die Umsetzung der ersten Maßnahmen muss gemäß den Förderrichtlinien bis Ende 2027 abgeschlossen sein.

Zum Hintergrund
Das Ziel des Projekts altstadt.raum ist es, die Bielefelder Altstadt attraktiver für alle Bürgerinnen und Bürger sowie klimaresilient zu gestalten. Handel, Gastronomie und Dienstleistungen sollen gestärkt, die Aufenthaltsqualität und Sicherheit gesteigert werden.

Im Kernteam sind die wichtigsten Akteure aller Interessensgruppen in der Altstadt versammelt. Vertreten sind die politischen Parteien, der Bezirksbürgermeister, die Verwaltung, die Kaufmannschaft Altstadt, die DEHOGA, der Handelsverband und die IHK sowie die Verkehrsinstitutionen, Haus und Grund und Mieterbund, die Ärzteschaft, die Kirchen, die Schulen/Universitäten/Wissenschaft sowie verschiedene Beiräte (für Behindertenfragen, Klimabeirat, Seniorenrat und Integrationsbeirat) und Bielefeld Marketing.

Als Sieger des Planungswettbewerbs wurde im September 2023 das Konzept von Scape und Runge IVP, Düsseldorf gekürt. Im Dezember 2023 bestätigte der Rat der Stadt die Büros als Sieger des Ideenwettbewerbs.
Das Büro Scape Landschaftsarchitekten hat Ideen für die Neugestaltung des öffentlichen Raums erarbeitet, die u. a. mehr Grün, Kühlung, Sitzbereiche und eine höhere Aufenthaltsqualität schaffen.

Die Verwaltung hat eine Priorisierung als Grundlage für die Arbeit im Kernteam erarbeitet. Nachfolgende Kriterien wurden zugrunde gelegt:
– Schaffung attraktiver Aufenthaltsräume
– Klimaschutz und Klimafolgenanpassung
– Stärkung Handel, Gastronomie, Dienstleistung
– Gute Erreichbarkeit mit dem Pkw
– Gute Anbindung des Radverkehrs
– Verbesserte Verbindungen für Fußgänger
– Verbesserung der Sicherheit
– Verbesserung der Lebensqualität

Zusätzlich sollten die Projekte örtlich und themenspezifisch zusammenhängen, die Veränderungen sollen sichtbar und in dem kurzen Förderzeitraum umsetzbar sein. Projekte, die aufgrund ihrer Komplexität mehr Abstimmungsbedarf haben, sind in dem Vorschlag weiter nach unten gerutscht.

19 + 1 Projekte und sechs Aufwertungsmaßnahmen
Das Büro Runge IVP hat ein schlüssiges Verkehrskonzept entwickelt. Es soll als Voraussetzung und Grundlage für eine Umgestaltung des öffentlichen Raumes dienen. Zwei Hauptrouten ermöglichen eine gute Durchfahrbarkeit für den Radverkehr. Durch Umgestaltungen im öffentlichen Raum werden Parkflächen am Straßenrand in Bereiche für Anlieferung, Handwerker, Sondernutzungen für Ärzte sowie für Pflegedienste und Behindertenparkplätze gewandelt.

Vorgeschlagen werden insgesamt 19 + 1 Projekte (= Projekt 0) sowie sechs Aufwertungsmaßnahmen. Das sogenannte „Projekt 0“ steht für die zukünftige Verkehrslenkung im Quartier. Es ist die Grundlage und Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung aller weiteren Maßnahmen und steht deshalb an erster Stelle der Prioritätenliste des Kernteams.

Die Steckbriefe der Projekte und Aufwertungsmaßnahmen beinhalten eine Aufschlüsselung nach Einzelmodulen, die geschätzten Kosten sowie den Beitrag zu den in der Arbeitsgruppe Kernteam beschlossenen Zielen für den altstadt.raum. (siehe Anlagen alle Steckbriefe)

Für das Projekt altstadt.raum konnte die Stadtverwaltung im Rahmen des Bundesprogramms „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ Förder-Mittel einwerben. Insgesamt stehen dem Projekt knapp 3,9 Millionen Euro zur Verfügung. Die Stadt Bielefeld steuert Eigenmittel in Höhe von 585.000 Euro bei. Das Programm sieht eine Umsetzung bis Ende 2027 vor.

Eine erste Kostenschätzung für das Gesamtprojekt anhand der obigen Steckbriefe identifiziert einen Finanzbedarf in Höhe von etwa 25 Millionen Euro. Das macht deutlich, dass die Priorisierung der einzelnen Maßnahmen gefolgt von einer schrittweisen Umsetzung der Projekte erforderlich ist.

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Olaf Lewald
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